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Die zweite Person (immer rechts) dieser Ikone ist natürlich die Mutter Gottes, die auf Altartüren stehend, auf tragbaren Ikonen meist sitzend dargestellt wird. Auf byzantinischen Ikonen sitzt die heilige Maria auf einem schlicht verzierten Schemel mit einem kleinen Fussbänkchen davor. Mit ansteigenden Jahrhunderten wurden diese Möbel von den Ikonenmalern immer mehr ausgeschmückt und später bekam der Sitz auch eine Rückenlehne, aus Holz gedrechselte Verzierungen und andere Schnörkeleien hinzu, bis er zu einem regelrechten Thron mutiert war. Die Schlichtheit der ursprünglichen Ikonenverehrung mündete verständlicherweise in einem ehrgeizigen Jubel malerischer Fingerfertigkeiten seitens der Ikonenmaler und ihrer begeisterten Auftraggeber. All dies zeigt uns, dass die Ikone der Verkündigung Mariens immer allergrößte Verehrung und Beliebtheit genoss und noch immer genießt.
Eher selten entdeckt man noch eine dritte Person auf dieser Festtagsikone. Es ist ein kleines Mädchen, eine kleine Magd, eine andere Bewohnerin des Tempels, in dem Maria und ihre unbefleckten Mitschwestern den Auftrag erhielten, einen neuen Tempelvorhang zu spinnen. Spätestens hier wird uns klar, dass viele Details auf Ikonen aus den Apokryphen stammen, so wie diese Geschichte aus dem Proto-evangelium des Hl. Jakobus:
Loset also, wer das Goldene und den Bergflachs und das Baumwollende und das Seidene, das Hyazinthblaue und das Scharlachrote sowie den echten Purpur spinnen soll!"
Diese kleine Mädchen veranschaulicht die Darstellung im erzählerischen Sinne genauso wie im Bedeutungszusammenhang. Da sie um soviel kleiner abgebildet ist, verdeutlicht sie damit die Größe der Mutter Gottes für uns alle. Vielleicht fungiert sie auch als Zeuge, als Zeitzeuge dieser so bedeutsamen Botschaft. Darüber hinaus ließ man damals seine unbefleckten Töchter auch sicher nicht allein; noch heute ist uns der etwas saloppe Begriff “Anstandswauwau” geläufig: gemeint ist ein Wächter (oder Wächterin) über Sitte und Anstand.
Das dritte, wichtige Element ist die Taube, die auf einem Strahl aus einer Wolke herausfliegt. Gemeint ist der Heilige Geist, der Maria “begeistern” wird mit dieser frohen Botschaft. Noch heute erleben wir “Begeisterung”, wenn uns Gutes widerfährt. Doch eben noch ist Maria dieser Gemütszustand fern, denn sie schau eher bestürzt, erschrocken und “nicht doch - ich?” denkend drein, bevor sie ihr Schicksal mit Leben erfüllen wird - zu unser aller Erlösung.
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