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Aufbau einer traditionellen Ikone in Handarbeit

Traditionelle Ikonenmalerei in der Gegenwart bedingt ein hohes Maß an Genauigkeit. Dies betrifft das verwendete Material genauso wie seine Handhabung und Anwendung. Die Malerei soll präzise ausgeführt werden, nichts hinzugefügt und nichts weggelassen werden ganz so, wie es die Originalvorlage vorgibt. Sehen Sie hierzu eine sehr seltene Ikone des Heiligen Hieronymos (Bild links und rechts meine Abschrift ), welche ich nur als Fotokopie bekam und leider bis jetzt nichts über ihre Herkunft erfahren konnte. Fest steht, dass es sich um eine Byzantinische Ikone handelt. Derselbe Heilige wird auch Gerasim bzw. Gerasimus genannt und ist auch unter dem Namen Gerome zu finden. Übrigens stellt diese Ikone eine sehr schöne Geschichte dar.

Hieronymos_kleine_VorlageJanuar2010_012_kleinDer Heilige Hieronymos entfernt aus der Tatze eines Löwen einen Dorn, woraufhin ihm der Löwe treu dessen Herde hütet, bis eines Tages ein  Schaf fehlt und der Löwe, wie sich später herausstellt, zu Unrecht beschuldigt und vertrieben wurde. Die Episode wird ein gutes Ende finden.

Der Aufbau einer byzantinischen Ikone erfolgt nach uralten byzantinischen  Wurzeln und wird von mir heute genauso wie vor über tausend Jahren hergestellt. Das zuvor gut getrocknete Holz wird zu einer Tafel  verleimt. Wahlweise werden anschließend Schnitzereien angelegt oder eine Mulde ausgehoben, sodass eine Umrandung entsteht (siehe Abbildung weiter unten).

Anschließend beize ich meine Tafeln mit einer Kasia-Holzbeize und imprägniere das  Holz gegen Insekten.- und Pilzbefall. Danach wird in drei Schichten ein  Holzfirniss auf die Seitenteile und die Rückseite der Ikonentafel aufgetragen. Zuletzt wird eine Aufhängung montiert.

Tafel - Beizen - versiegeln - Tuch aufleimen - 33 Schichten Kreidegrund - Skizze - Bolos - Vergolden

 

Nun erfolgt die Vorbereitung des Malgrundes und der anschließende Aufbau einer Ikone, die Sie anhand der folgenden Abbildung hier nacherleben können. Ein Mausklick auf die Zahlen führt zu einer kurzen Erklärung.

Ikonenaufbau_web_18-2-2008_039

1. Aufleimen einer Stoffeinlage auf die Holztafel. zurück

2. Aufstreichen des Kreidegrundes mittels eines Borstenpinsels in ca. 33 Schichten.zurück

3. Schleifen des Kreidegrundes mit Sandpapier von grober bis zur feinsten Körnung. zurück

4.Übertragen der Zeichnung und einritzen auf den Kreidegrund. zurück

5. Aufstreichen der Grundierung für die Polimentvergoldung (Bolos) in drei Schichten. zurück

6. Polieren des Bolos mittels eines Achatsteines. zurück

7. Auflegen des Blattgoldes. zurück

8. Polieren des Blattgoldes mit einem anderen Achatstein.
8 a) Eventuelles Punzieren der Heiligenscheine, hier nicht dargestellt.
zurück

9. Anlegen der Grundfarben (griechisch: Proplasmos). zurück

10. Verstärken der Grundfarben in bis zu drei Schichten. zurück

11. Zeichnen von Linien und Auftragen von Lasuren in der jeweils abgedunkelten Grundfarbe. zurück

12. Aufhellungen in drei Schichten von der jeweiligen Grundfarbe.
12.a) Auftragen von eventuellen Lasuren (Laka) der Kleidung.
zurück

13. Zeichnen der Goldlinien (griechisch: Chryssokondilyes) und Sterne,  entweder mit synthetischem Goldpulver oder mit reinem Gold (Muschelgold), je nach Belieben. zurück

14. Zeichnen der Gesichtszüge. zurück

15. Anlegen des Inkarnats (griechisch: Sarka), also des Fleisches, in drei Schichten. zurück

16. Zeichnen der Lichter (griechisch: Psimityes), des Augenlichts und des Mundes. zurück

17. Nach einer drei.- bis zwölfmonatigen Trocknungszeit wird das Motiv mit einem Ikonenfirniß versiegelt. zurück

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