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Aufbau einer traditionellen Ikone in Handarbeit

Traditionelle Ikonenmalerei in der Gegenwart bedingt ein hohes Maß an Genauigkeit. Dies betrifft das verwendete Material genauso wie seine Handhabung und Anwendung. Die Malerei soll präzise ausgeführt werden, nichts hinzugefügt und nichts weggelassen werden ganz so, wie es die Originalvorlage vorgibt. Sehen Sie hierzu eine sehr seltene Ikone des Heiligen Hieronymos (Bild links und rechts meine Abschrift ), welche ich nur als Fotokopie bekam und leider bis jetzt nichts über ihre Herkunft erfahren konnte. Fest steht, dass es sich um eine Byzantinische Ikone handelt. Derselbe Heilige wird auch Gerasim bzw. Gerasimus genannt und ist auch unter dem Namen Gerome zu finden. Übrigens stellt diese Ikone eine sehr schöne Geschichte dar.

Heiliger Hieronymos OriginalHeiliger Hieronymos Abschrift Der Heilige Hieronymos entfernt aus der Tatze eines Löwen einen Dorn, woraufhin ihm der Löwe treu dessen Herde hütet, bis eines Tages ein Schaf fehlt und der Löwe, wie sich später herausstellt, zu Unrecht beschuldigt und vertrieben wurde. Die Episode wird ein gutes Ende finden.

Der Aufbau einer byzantinischen Ikone erfolgt nach uralten byzantinischen Wurzeln und wird von mir heute genauso wie vor über tausend Jahren hergestellt. Das zuvor gut getrocknete Holz wird zu einer Tafel verleimt. Wahlweise werden anschließend Schnitzereien angelegt oder eine Mulde ausgehoben, sodass eine Umrandung entsteht (siehe Abbildung weiter unten).

Anschließend beize ich meine Tafeln mit einer Kasia-Holzbeize und imprägniere das Holz gegen Insekten.- und Pilzbefall. Danach wird in drei Schichten ein Holzfirniss auf die Seitenteile und die Rückseite der Ikonentafel aufgetragen. Zuletzt wird eine Aufhängung montiert.

Tafel - Beizen - versiegeln - Tuch aufleimen - 20 Schichten Kreidegrund - Skizze - Bolos - Vergolden

Nun erfolgt die Vorbereitung des Malgrundes und der anschließende Aufbau einer Ikone, die Sie anhand der folgenden Abbildung hier nacherleben können.Aufbau einer Ikone anhand eines Modells

1. Aufleimen einer Stoffeinlage auf die Holztafel.

2. Aufstreichen des Kreidegrundes mittels eines Borstenpinsels in ca. 33 Schichten.

3. Schleifen des Kreidegrundes mit Sandpapier von grober bis zur feinsten Körnung.

4. Übertragen der Zeichnung und einritzen auf den Kreidegrund.

5. Aufstreichen der Grundierung für die Polimentvergoldung (Bolos) in drei Schichten.

6. Polieren des Bolos mittels eines Achatsteines.

7. Auflegen des Blattgoldes.

8. Polieren des Blattgoldes mit einem anderen Achatstein.

8 a) Eventuelles Punzieren der Heiligenscheine, hier nicht dargestellt.

9. Anlegen der Grundfarben (griechisch: Proplasmos).

10. Verstärken der Grundfarben in bis zu drei Schichten.

11. Zeichnen von Linien und Auftragen von Lasuren in der jeweils abgedunkelten Grundfarbe.

12. Aufhellungen in drei Schichten von der jeweiligen Grundfarbe.

12.a) Auftragen von eventuellen Lasuren (Laka) der Kleidung.

13. Zeichnen der Goldlinien (griechisch: Chryssokondilyes) und Sterne, entweder mit sythetischen Goldpulver oder in reinem Gold, je nach Belieben.

14. Zeichnen der Gesichtszüge.

15. Anlegen des Inkarnats (griechisch: Sarka), also des Fleisches, in drei Schichten.

16. Zeichnen der Lichter (griechisch: Psimityes), des Augenlichts und des Mundes.

17. Nach einer drei.- bis zwölfmonatigen Trocknungszeit wird das Motiv mit einem Ikonenlack versiegelt.

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