Sehr schöne Worte vom Patriarchen Nikephoros, 806-815 (nicht zu verwechseln mit Nikephoros I, 802-812, der ein Bildergegner war), die das Wesen der Ikone wunderbar benennen:
“Die Malerei führt schnurstracks ohne Vermittlung ins Herz der Dinge, indem sie sie unmittelbar gegenwärtig macht. Sie spricht den Geist jener, die sie betrachten, beim ersten Blicke an und gibt eine vollkommen klare Anschauung der Dinge. Dagegen resultieren aus dem Worte oft Zweifel und Doppelsinnigkeiten und lassen verschiedene Meinungen aufkommen. Die visuelle Anschauung ist aber sicher vor Zweideutigkeiten.”
Damals wie heute kann eine Ikone Kraft spenden und, besonders bei uns zu Hause, einen ruhenden Pol darstellen. Als Vermittlerin zwischen irdenen Belangen und der Suche nach Transzendenz kann man kann sich ihr in Betrachtung oder Gebet zuwenden. Erfreuen Sie sich für einen Augenblick an ihren Farben, berühren Sie die Ikone mit ihrer Hand und lassen Sie sich von ihr berühren, indem Sie sich ihr gegenüber meditativ öffnen. Mit der Zeit wird ganz von selbst eine Vertrautheit entstehen, die innerhalb der Familie weitergereicht werden kann. So vermag eine Ikone dazu beitragen, der Familie und ihren einzelnen Mitgliedern einen inneren Halt zu geben, selbst wenn Veränderungen von Wohnort, Beruf oder sogar Partnerschaften für Unruhe sorgen könnten. Mögen Ihre Kinder dies einmal genauso empfinden können und die Ikone später ihrerseits an ihre Kinder weitergeben. Auf diese Weise entsteht ein Stückchen Tradition innerhalb der Familie - und wer weiß, welche Geschichten sich einmal um Ihre Ikone ranken werden?Gebet aus dem Großen Gebetsbuch, aus dem Griechischem übersetzt von Johanna Mayer, Athen 1970.
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