Ikonenmalerei und Anschrift


Die Herstellung einer Ikone in Handarbeit nach alter Tradition

Die Technik der Ikonenmalerei wird vom Ikonenmeister an seine Schüler in weitergegeben. Es erscheint mir unmöglich, sich die Technik ausschließlich anlesen zu wollen; hat man unter geübter Anleitung seine ersten Schritte jedoch gemacht, sind gute Ikonen-Bücher durchaus empfehlenswert.

In Abhängigkeit der Verwendungsart und Größe erfolgt zunächst die Auswahl des Materials der Tafel. Ikonen für den Hausgebrauch und kleinere Ikonen für Kirchen werden von mir auf hochwertigen Vollholztafeln gemalt. Hierzu werden breite Holzbretter  aufgetrennt und erneut verleimt, um den Spannungen des Holzes entgegen zu wirken. Abmessungen über 30 x 40 cm  werden zudem mit zwei auf der Rückseite eingelassenen Querstreben versehen, um eventuelle spätere Verwerfungen des Holzes zu verhindern. Je nach Geschmack und auf Wunsch kann diese Tafel noch zusätzlich ausgefräst werden, um auf diese Weise eine Rahmenwirkung zu erzeugen. Es werden bei mir keine Leisten auf die Tafel aufgenagelt oder aufgeleimt, denn durch die unterschiedliche Wuchsrichtung des Tafelholzes und der Leisten bestünde die Gefahr, dass sich zwischen Leiste und Holzbrett Risse bilden würden und die Vergoldung darunter leiden täte.
Große Ikonen, die für eine Anbringung in einer Altarwand bestimmt sind, können in bestimmten Fällen auf wasserfester Furnierplatte bester Qualität gemalt werden, da in einigen Kirchen, besonders in den kleinen Kapellen mit ihren großen Temperaturunterschieden, hohe Feuchtigkeitsschwankungen bestehen und eine Verwerfung der Ikone in der Altarwand unschöne Hohlräume entstehen ließe. In keinem Fall, nie und nimmer, ist die Verwendung von Spanplatten u.ä. angezeigt, wie ich es leider oft beobachten kann, denn dieses Material hält kaum länger als ein paar Jahrzehnte und ist die Arbeit einfach nicht wert.

In eigener Sache:

Damit ich in Zukunft neben Kreta auch Ikonenmalkurse in Deutschland geben kann,
suche ich ab sofort für mich einen (sehr) günstigen Wohnraum in Deutschland, gern Norddeutschland, z.B. Hamburg oder Lübeck.

Sehr gern eine (sehr) kleine Ladenwohnung, wo ich mein Atelier einrichten und gleichzeitig wohnen kann. Ein Haustier (liebster Hund der Welt) teilt mein Leben und gibt mir die nötige Entspannung zum Ikonenmalen und sollte also genauso willkommen sein wie ich.

Als Belohnung für eine erfolgreiche Vermittlung male ich dem/der Vermittler/in eine Ikone nach Wunsch im Wert von 1.000 Euro.

Kirsten Voss
Kontakt

Blick in meine Ikonen-Werkstatt

Im Anschluss an die Auswahl der Tafel wird mit erwärmtem Knochenleim ein Leinentuch aufgeleimt, das eventuelle Holzrisse auffängt  und außerdem die Verbindung zwischen Holz und Kreidegrund bildet. Eine hohe Qualität der Kreide ist für die Polimentvergoldung wesentlich, und darum verwende ich Kreide aus Italien, der durch eine spezielle Behandlung das Wasser entzogen wurde. Bis zu 20 solcher Kreideschichten werden anschließend mit einem Borstenpinsel aufgetragen und nach einer Trocknungszeit mit Sandpapier (Körnung 100 bis 600) geschliffen, bis eine absolut glatte Oberfläche entstanden ist.

Nun wird die Zeichnung auf den Kreidegrund übertragen und mit einer feinen Nadel eingeritzt, damit ich die Umrisse auch nach den ersten Farbaufträgen (eine Ikone besteht aus bis zu 8 übereinander liegenden Farbschichten) noch erkennen kann. Industriell hergestellte Ikonen haben diese Umrissgravouren nicht und sind anhand dieses Merkmals leicht zu unterscheiden.Ikonenwerkstatt von Kirsten Voss

Jetzt wird die Grundierung für die Polimentvergoldung aufgetragen, das sogenannte Bolos. Damit ist eine Art superfeiner Ton (aus Armenien) gemeint, der für die Haftung des Blattgoldes auf der Tafel sorgt. Dieser Bolos wird mit Eiklar und/oder Knochenleim angerührt, wobei es hier auf viel Erfahrung ankommt, um eine, an massives Gold erinnernde, Vergoldung zu erzeugen. Nach der Trocknung des Bolos wird die Oberfläche gereinigt und mit einem Achatstein poliert. Im Anschluss daran wird das Blattgold (24° Karat, doppelte Stärke) mit einem speziellen breiten Pinsel und einer mit einem Pinsel aufgetragenen Netze aus Alkohol angeschossen. Ist dies fast getrocknet, wird das Gold mit einem weiteren Achatstein vorsichtig poliert. Dazu ist viel Erfahrung nötig, denn dieser Vorgang steht immer in Abhängigkeit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit und unterliegt daher jahreszeitlichen und klimatischen Schwankungen. Die Ikonen alter Meister und Schulen sind ausschließlich Poliment vergoldet. Die ersten Polimentvergoldungen wurden bei den Fayum Zeichnungen der Ägypter gefunden und stammen aus der Zeit um 3000 vor Christi. Seither hat sich an der Verarbeitungsweise der Polimentvergoldung kaum etwas geändert.
Viele neuzeitliche Ikonenmaler greifen aufgrund der viel Erfahrung voraussetzenden Polimentvergoldung lieber auf das sogenannte Sturmgold oder Ölvergoldung zurück. Hierbei handelt es sich ebenfalls um, je nach Qualität, bis zu 24° Karat Gold, welches jedoch auf Transport-Papier aufgedampft wurde um auf die Ikone aufgeklebt zu werden. Diese einfache Art der Vergoldung erzeugt eine matte Oberfläche und ist später, bei eventueller Beschädigung oder Reinigung der Ikone, nicht mehr zu restaurieren.
Es gibt inzwischen auch industriell hergestellte Polimentvergoldungen, die jedoch aufgrund ihrer Homogenität eher leblos wirken.

In Ausnahmefällen, je nach Geschmack oder auf Wunsch bearbeite ich auch Hintergründe aus Silber, Bronze, Sturmgold oder schlichter, reiner Ockerfarbe.

Zur Ausarbeitung des dargestellten Themas der Ikone verwende ich Farbpigmente natürlichen Ursprungs, die in Eigelb gelöst werden (Eitempera). Die reiche Farbskala entsteht aus nur vier Farben (Rot, Ocker, Lakka und Zinnober), die mit Schwarz und Weiß abgedunkelt bzw. aufgehellt werden und alle Farbtöne erzeugen können. Daraus entstehen homogene, warme Farbkompositionen, welche die Farben der alten Meister am treffendsten widerzuspiegeln vermögen. In sehr wenigen Fällen (dort wo auch früher “echtes Blau” verwendet wurde) benutze ich blaue Pigmente. Blau war früher sehr sehr teuer (geriebenes Lapislatsuli) und nur schwer erhältlich, weswegen es kaum verwendet wurde. Überdies läßt sich Blau auch mit den oben genannten Farben durch geschicktes Mischen erzeugen.

Die Farben einer Ikone bauen sich immer vom Dunkel ins Licht auf. Angefangen wird mit dem Anlegen der Grundfarbe, die bei schwer deckenden Farben wie Ocker in bis zu drei Schichten aufgetragen wird. Dann werden feine Linien dunkler hervorgehoben und einige Flächenränder zur Erzeugung von Volumen dunkel schattiert. Danach werden drei Farbschichten, die sogenannten “Lichter” gemalt. Das kann mit deutlichen Farbabgrenzungen von Licht zu Licht geschehen (z.B. bei der Kleidung) als auch in feinen Abstufungen und fließend (besonders auf der Haut, das sogenannte Inkarnat). Einige Farbgestaltungen erhalten nach dem Anlegen der Lichter noch eine transparente Lasur mit Lakka, um die Farbtiefe zu verstärken. Bisweilen ersetzen feine Goldllinien auf Kleidung (Christus Umhang) oder Möbeln (der Thron) die Lichter. So wird deutlich, dass jede einzelnd ausgearbeitete Farbfläche einer nach alter Tradition in Handarbeit gefertigte Ikone aus 6 bis 8 Farbaufträgen besteht.
Zuletzt werden Heiligenscheine und der Name der Ikone auf die Tafel geschrieben. Bei der Ausarbeitung der Heiligenscheine gibt es mehrere Varianten, je nach Geschmack und Geldbeutel. Meist werden sie mit einer gleichmäßig dünnen, roten Linie kreisförmig um die Häupter erzeugt, doch es lassen sich auch wunderschöne Gravuren mit Prägestempeln anlegen. Letzteres ist natürlich aufwendiger und muss sehr genau gearbeitet werden, da nachträgliche Korrekturen nicht mehr möglich sind. Gravuren sind zudem ausschließlich auf Polimentvergoldung möglich, da dieses Gold dicker ist und auch bei einer Prägung nicht reißt. Zum Abschluss seiner Arbeit unterzeichnet der Ikonen-Maler die Ikone unauffällig mit seinem Namen und Datum.

Nach der Fertigstellung müssen die in Eigelb gelösten Pigmente mindestens 3 Monate und bis zu 12 Monaten trocknen (in Abhängigkeit zur Temperatur und Luftfeuchte), bevor das Verniki, ein eigens für Ikonen aus natürlichen Rohstoffen entwickelter Versiegelungslack, aufgetragen werden kann. Dieser, und nur dieser Lack hat den unschätzbaren Vorteil, dass er jederzeit wieder von der Ikone abgetragen werden kann, ohne die darunter liegenden Farbschichten zu verletzen! Und nur so lassen sich Ikonen restaurieren, wenn sie einmal mehrere hundert Jahre gelebt haben.
Mit Hilfe dieses Lackes ist es auch kein Problem, die Ikone anzufassen (oder zu küssen, wie es in der Ostkirche noch heute üblich ist) und dass sollte ein Jeder tun, der eine handgefertigte Ikone besitzt, denn es ist immer wieder ein ganz besonderes und schönes Erlebnis, eine Ikone zu berühren, ihr Gewicht zu spüren und sich auch von ihr berühren zu lassen.

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