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Im Anschluss an die Auswahl der Tafel wird mit erwärmtem Knochenleim ein Leinentuch aufgeleimt, das eventuelle Holzrisse auffängt und außerdem die Verbindung zwischen Holz und Kreidegrund bildet. Eine hohe Qualität der Kreide ist für die Polimentvergoldung wesentlich, und darum verwende ich Kreide aus Italien, der durch eine spezielle Behandlung das Wasser entzogen wurde. Bis zu 20 solcher Kreideschichten werden anschließend mit einem Borstenpinsel aufgetragen und nach einer Trocknungszeit mit Sandpapier (Körnung 100 bis 600) geschliffen, bis eine absolut glatte Oberfläche entstanden ist. Nun wird die Zeichnung auf den Kreidegrund übertragen und mit einer feinen Nadel eingeritzt, damit ich die Umrisse auch nach den ersten Farbaufträgen (eine Ikone besteht aus bis zu 8 übereinander liegenden Farbschichten) noch erkennen kann. Industriell hergestellte Ikonen haben diese Umrissgravouren nicht und sind anhand dieses Merkmals leicht zu unterscheiden. Jetzt wird die Grundierung für die Polimentvergoldung aufgetragen, das sogenannte Bolos. Damit ist eine Art superfeiner Ton (aus Armenien) gemeint, der für die Haftung des Blattgoldes auf der Tafel sorgt. Dieser Bolos wird mit Eiklar und/oder Knochenleim angerührt, wobei es hier auf viel Erfahrung ankommt, um eine, an massives Gold erinnernde, Vergoldung zu erzeugen. Nach der Trocknung des Bolos wird die Oberfläche gereinigt und mit einem Achatstein poliert. Im Anschluss daran wird das Blattgold (24° Karat, doppelte Stärke) mit einem speziellen breiten Pinsel und einer mit einem Pinsel aufgetragenen Netze aus Alkohol angeschossen. Ist dies fast getrocknet, wird das Gold mit einem weiteren Achatstein vorsichtig poliert. Dazu ist viel Erfahrung nötig, denn dieser Vorgang steht immer in Abhängigkeit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit und unterliegt daher jahreszeitlichen und klimatischen Schwankungen. Die Ikonen alter Meister und Schulen sind ausschließlich Poliment vergoldet. Die ersten Polimentvergoldungen wurden bei den Fayum Zeichnungen der Ägypter gefunden und stammen aus der Zeit um 3000 vor Christi. Seither hat sich an der Verarbeitungsweise der Polimentvergoldung kaum etwas geändert. In Ausnahmefällen, je nach Geschmack oder auf Wunsch bearbeite ich auch Hintergründe aus Silber, Bronze, Sturmgold oder schlichter, reiner Ockerfarbe. Zur Ausarbeitung des dargestellten Themas der Ikone verwende ich Farbpigmente natürlichen Ursprungs, die in Eigelb gelöst werden (Eitempera). Die reiche Farbskala entsteht aus nur vier Farben (Rot, Ocker, Lakka und Zinnober), die mit Schwarz und Weiß abgedunkelt bzw. aufgehellt werden und alle Farbtöne erzeugen können. Daraus entstehen homogene, warme Farbkompositionen, welche die Farben der alten Meister am treffendsten widerzuspiegeln vermögen. In sehr wenigen Fällen (dort wo auch früher “echtes Blau” verwendet wurde) benutze ich blaue Pigmente. Blau war früher sehr sehr teuer (geriebenes Lapislatsuli) und nur schwer erhältlich, weswegen es kaum verwendet wurde. Überdies läßt sich Blau auch mit den oben genannten Farben durch geschicktes Mischen erzeugen. Die Farben einer Ikone bauen sich immer vom Dunkel ins Licht auf. Angefangen wird mit dem Anlegen der Grundfarbe, die bei schwer deckenden Farben wie Ocker in bis zu drei Schichten aufgetragen wird. Dann werden feine Linien dunkler hervorgehoben und einige Flächenränder zur Erzeugung von Volumen dunkel schattiert. Danach werden drei Farbschichten, die sogenannten “Lichter” gemalt. Das kann mit deutlichen Farbabgrenzungen von Licht zu Licht geschehen (z.B. bei der Kleidung) als auch in feinen Abstufungen und fließend (besonders auf der Haut, das sogenannte Inkarnat). Einige Farbgestaltungen erhalten nach dem Anlegen der Lichter noch eine transparente Lasur mit Lakka, um die Farbtiefe zu verstärken. Bisweilen ersetzen feine Goldllinien auf Kleidung (Christus Umhang) oder Möbeln (der Thron) die Lichter. So wird deutlich, dass jede einzelnd ausgearbeitete Farbfläche einer nach alter Tradition in Handarbeit gefertigte Ikone aus 6 bis 8 Farbaufträgen besteht. Nach der Fertigstellung müssen die in Eigelb gelösten Pigmente mindestens 3 Monate und bis zu 12 Monaten trocknen (in Abhängigkeit zur Temperatur und Luftfeuchte), bevor das Verniki, ein eigens für Ikonen aus natürlichen Rohstoffen entwickelter Versiegelungslack, aufgetragen werden kann. Dieser, und nur dieser Lack hat den unschätzbaren Vorteil, dass er jederzeit wieder von der Ikone abgetragen werden kann, ohne die darunter liegenden Farbschichten zu verletzen! Und nur so lassen sich Ikonen restaurieren, wenn sie einmal mehrere hundert Jahre gelebt haben. |
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