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Trocknungszeiten von Eitempera

Alle meine (natürlich auf Naturholz) gemalten Ikonen sind mit Präzision und Leidenschaft nach höchsten Ansprüchen gemalte Ikonen in Eitempera.

So brillant, weich und geheimnisvoll die Ikonenmalerei mit Eitempera auch ist, der Nachteil von Eitempera gründet sich einzig und allein in der langen Trocknungszeit, die eine Malerei anschließend benötigt. In Abhängigkeit von der Qualität des Eigelbs und seines Fettgehalts, der Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit sowie der Ausführung der Malerei braucht eine Ikone 6 bis 12 Monate Zeit zum Trocknen bzw. Aushärten, bis sie mit einem Schutzfirniss überzogen werden kann.

Oxidation ist die chemische Bezeichnung für diesen Vorgang. Dabei oxidieren die Fettanteile des Eigelbs. Damit einher geht eine kleine Volumenzunahme, an dessen freien Stellen sich Sauerstoff anlagert.
Wärme, Licht und reichlich Sauerstoff beschleunigen diese Oxidation. Daher trocknen im Sommer erstellte Ikonen auch etwas rascher.
Kälte, Dunkelheit und eine hohe Luftfeuchtigkeit verlangsamen die Oxidationsprozesse. So ist es auch kein Wunder, dass im Winter gemalte Ikonen mehr Zeit zum Trocknen benötigen.

Wie stelle ich nun fest, ob eine Ikone vollständig getrocknet ist? Eine gute Frage!
Von Zeit zu Zeit streiche ich vorsichtig mit meinen Fingerspitzen sehr sanft über die Malerei. Ich kann erspüren, ob sich die Oberfläche noch weich und leicht feucht anfühlt, oder ob sie etwas rauher und trocken ist. Im letzen Fall ist die Ikone “reif” zum firnissen.

Natürlich hängt die Trocknungszeit auch von der Anzahl der Farbschichten bzw. der Dicke der Malerei ab. Je feiner eine Ikone ausgeführt wird, aus um so mehr Arbeitsschritten, sprich: Farbschichten besteht sie auch. So verlängert sich besonders die Trocknungszeit fein ausgearbeiteter Ikonen und ist meist mit einem Jahr nicht unrealistisch eingeschätzt.

Mit einem speziellen Harzlack gefirnisst, ist die Ikone endlich gebrauchsfertig, kann und möchte in die Hand genommen werden und erfreut seine Betrachter hunderte von Jahre.

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Anmerkung:
Aufgrund der langen Dauer für die Trocknung ist es nicht verwunderlich, dass sich die Ikonenmaler nach neuen Malmitteln für die Ikonenmalerei umsahen. So ersetzte besonders im 18. und 19. Jahrhundert die Ölmalerei die traditionelle Eitempera. Doch gingen hier ganz wesentliche Symbole und Haltungen verloren. Im Gegensatz zur Eitempera (vom Dunkel ins Licht) malt man mit Öl stets vom Licht ins Dunkel, was für Ikonen theologisch zweifelhaft ist. Ebenso ging die Bedeutung vom Ei (der Neubeginn, das Leben) mit dem Öl verloren.
Technische Erneuerungen des 20. Jahrhunderts bescherten uns die Acrylmalerei, in der erfreulicherweise wieder vom Dunkel ins Licht gemalt werden konnte. Viele moderne Ikonenmaler malen heute mit dieser Methode, denn die Trocknungszeit ist hier auf unter einen Tag reduziert. Moderne Ikonen, welche meist auch sehr flächige und eine etwas monotone Farbgestaltung haben, lassen sich mit Acryl sicher sehr gut malen.

Allerdings lassen sich bei Reproduktionen von Ikonen alter Meister die feinsten Farbverläufe mit Acryl nur ungenügend wiedergeben, und darum verzichte ich in der traditionellen Ikonen-Tafelmalerei auf Acryl, denn das Ergebnis lohnt einfach nicht diese besondere und aufwendige Arbeit.

Eine Ausnahme vom Acrylgebrauch bildet die Wandmalerei - und gleichzeitig ein Zugeständnis an moderne Anforderungen der Kirchenmalerei. Wurde die Wandmalerei von Kirchen früher in aufwendiger Freskotechnik ausgeführt, findet man heute kaum noch Künstler, die ihre Arbeiten in dieser schweren und körperlich sehr anstrengenden Technik ausführen können. Anstelle dessen wird heute direkt auf die verputzten Wände gemalt. Das Bindemittel ist hier meist Acryl, da es sehr gut in die Poren vom Wandverputz eindringt und damit auch gut haltbar ist.
Da dies aber immer noch sehr viel Zeit (und Dreck) mit sich bringt, und damit den Kirchenalltag auf lange Zeit stört (Gerüstaufbauten), geht man heute dazu über, die Wandmalereien im Atelier auf große Leinwände zu malen. Sind alle Malereien fertig, werden sie dann erst mit einem Spezialkleber an die Kirchenwände geklebt.
So muss vor Ort nur noch mit ein paar Tagen Umbau gerechnet werden, in denen die einzelnen Leinwände installiert und mit einer Umrissmalerei vor Ort verbunden werden.

Zur Zeit arbeite ich an einer Ausgestaltung einer kleinen Kapelle hier auf Kreta. Technik: Acryl auf Leinwand. Eine Dokumentation wird folgen.

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