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Fragen und Antworten zum Thema Ikonenmalerei
Kann man für den Kreidegrund anstelle von dem teuren Gesso auch billigen Gips verwenden, ist doch das gleiche Mineral!? Antwort: Nein. Gesso besteht zwar hauptsächlich aus Gips und etwas Kreide, ist aber chemisch verschieden von gewöhnlichen Kreiden und Gipsen (ihm wurden aber zwei Wasserstoffatome entzogen), daher ist die Elastizität vom Gesso wesentlich höher. Gibt man zum Gips Wasser hinzu, härtet es ja aus wie Zement. Beim Gesso ist das nicht so. Würde ich normalen Gipsgrund auf die Holztafel auftragen, würde er beizeiten reißen, da Holz arbeitet.
Ich möchte eine ganz spezielle Ikone verschenken, weiß aber nicht welche?
Antwort: Oft werden die Ikonen nach dem Namen des Beschenkten ausgesucht. Es gibt für fast jeden griechischen Namen einen passenden Heiligen, der einmal im Jahr an einem ganz bestimmten Tag gefeiert wird. Katholische Namen haben ebenso oft ihren Namensgeber von einem oder einer Heiligen. (siehe Kasten rechts) Ebenso interessant ist es, den oder die Heilige auszuwählen, deren Namenstag am Tage des Geburtstages/Hochzeitstages ... des zu Beschenkenden zu liegen kommt.
Was unterscheidet eine alte Ikone von einer neuen? Antwort: Sammler von Ikonen unterscheiden alte von neuen Ikonen. Das entscheidende Kriterium ist dafür die Jahreszahl. Je älter je lieber, und so sind byzantinische Ikonen natürlich die wertvollsten, weil ältesten Unikate. Auch die Nachbyzantinischen Ikonen sind besonders wertvoll, denn sie bleiben der ursprünglichen Maltradition treu. Unter dem fruchtbaren Einfluss der westlichen Malerei entwickelten sich in dieser Zeit technische Feinheiten in der Maltechnik, die Kompositionen und Symbole wurden aber auch in der nachbyzantinischen Zeit kaum verändert. Erst im 18. Jh. bilden sich deutlich andere Malstile und Maltechniken aus und auch die Art und Weise der Darstellung weicht stark von seinem Urbild aus der Byzantinischen Zeit ab.
Was bedeutet “auf alt gemachte” Ikonen? Ikonen werden gern künstlich nachgealtert, um sie besser verkaufen zu können, weil man darauf spekuliert, dass sich “alte” Ikonen besser (und auch teurer) verkaufen lassen als neue. Solange dies überschaubar bleibt und der Kunde ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass es sich um künstlich angelegte Alterspuren handelt, ist dagegen formal nichts einzuwenden. Besonders schlimm finde ich allerdings, wenn ein billiger Offsetdruck (in Tausenderauflage) auf modernen Holzplatten (Spanplatten u.ä.) aufgeklebt, mit ein-bischen-verkockeltem-Rand und einem dunklem Überzugslack angeboten werden, und das möglichst noch mit einem Motiv aus der alten, byzantinischen Zeit! Ein Widerspruch in sich. Genauso unpassend ist es auch, moderne Ikonen künstlich nachzualtern, da solche Motive ja an sich noch sehr jung sind. In all den aufgeführten Fällen paßt nun wirklich gar nichts mehr zusammen und ist kitschiger Stilbruch in Reinkultur.
Aber Sie machen doch auch “alte Ikonen”? Ja, ich stelle teilweise (und auf Wunsch) auch Ikonen her, die den Eindruck von Alter erzeugen, weil es manchmal wirklich schön aussehen kann und die Ausstrahlung verstärkt. Dazu benutze ich jedoch wirklich alte, und auf natürliche Weise verwitterte Hölzer. Selbstverständlich ist jede von mir gemalte Ikone handgemalt auf Holz und von daher genau wie das Original gearbeitet. Meine Vorlagen stammen aus der byzantinischen und nachbyzantinischen Zeit. Zusammen genommen entsteht bei mir eine reproduzierte Ikone seiner Zeit, in der der Malgrund (altes Holz, Kreidegrundierung), die Maltechnik (Eitempera mit Farbpigmenten, Polimentvergoldung), der Malstil (byzantinisch), die Herstellung (in reiner Handarbeit) und die Versiegelung (Ikonenlack oder Schellack-Lasur) authentisch zueinander passen.
Was sind nun, bitteschön, moderne Ikonen? Moderne Ikonen sind Ikonen, die sich von der alten Symbolik und Art der Abbildung der biblischen Thematik abgewendet haben (siehe linke Spalte oben, erste Christusabbildung). Teilweise sind neue Bibelthemen hinzugekommen. Oft gehen uralte, über Generationen vermittelte Symbole verloren. Auch die Malmittel unterscheiden sich: anstelle der schwieriger zu verarbeitenden Eitempera werden moderne Farben wie Latex, Öl oder Dispersionsfarben benutzt. Der Malgrund ist hier nicht mehr zwingend eine Holztafel mit Kreidegrund, sondern Leinwand oder sogar Papier. Darüber hinaus versuchen sich Künstler in Interpretationen von biblischen Themen, was streng genommen keine Ikone mehr darstellt, weil hier der klerische Bezug völlig fehlt und es sich somit um freie Darstellungen privater Ansichten handelt.
Darf man denn überhaupt alte Ikonen so einfach nachmalen? Man darf, denn das Nachmalen, bzw. reproduzieren war früher genau die Art und Weise, wie sich Ikonen überhaupt verbreiten konnten. Der Beruf des Ikonenmalers war ein schlichtweg ausführendes Gewerbe, das sich eng an die Vorlagen zu halten hatte. Die abzubildenden Textstellen der Bibel wurden von hohen Bischöfen entwickelt und sicher auch auf christlichen Konzilen diskutiert, bevor sie als anerkannte Vorlagen den Ikonenmalern zur Umsetzung überlassen wurden. Nur so konnte sich über Jahrhunderte hindurch und über große geografische Grenzen hinweg (vom Mittelmeer bis zur russischen Tundra) eine einheitliche Wiedergabe des gemalten Evangeliums aufrecht erhalten. Eine große Leistung, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Kommunikation zwischen den verschiedenen christlichen Klöstern damals nur über das Reisen möglich war. Das Wissen über die richtigen Charakteristika eines jeden Heiligen erfolgte durch mündliche Überlieferung, sogenannte Malerhandbücher sind erst ab dem 18. Jh. bekannt.
Sind wirklich alle Ihre Ikonen von Hand gemalt? Ja, und zwar von meiner Hand, genauer der linken und der rechten Hand - und zwar vollständig. Es gibt in der “Branche” leider sehr viele Anbieter, die den Begriff “von Hand gemalt” sehr weit ausdehnen und so darüber hinweg täuschen wollen, dass es sich bei diesen Angeboten um Nachdrucke von irgendwann einmal von Hand gemalten Ikonen handelt. Oder diese Drucke werden mit ein paar von Hand darauf gezeichneten Lichtern u.ä. versehen, lackiert und anschließend als Handarbeit vermarktet. Handarbeit hat ihren Preis, und sicher ist: Eine kleine Ikone der Größe 20x26 cm mit einer reich geschmückten Szene wie die Geburt Christi oder die Himmelfahrt kann unmöglich für ca. 40 Euro von Hand gemalt worden sein, auch wenn auf der Rückseite ein aufgeklebtes Siegel eines angesehenen Klosters genau dies glauben lassen möchte. Ich bitte Sie augenzwinkernd, in solchen Fällen doch mal den gesunden Menschenverstand walten zu lassen.
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